Providerunabhängige IP-Adressen: PI und PA im Vergleich
Providerunabhängiger Adressraum (Provider Independent, PI) wird unabhängig von einem einzelnen vorgelagerten Internetanbieter registriert. Ein Inhaber kann ihn beim Providerwechsel in der Regel behalten, vorbehaltlich der Registry-Richtlinien und der Routing-Vereinbarungen. PI macht einen Dienst nicht automatisch weltweit erreichbar: Netzbetreiber müssen die Route zum Präfix akzeptieren und weitertragen.
Der Unterschied zwischen PI und PA
Provider-Aggregatable-Adressraum (PA) stammt aus der Zuteilung eines Betreibers und wird an Kunden zugewiesen. Wechselt ein Kunde den Provider, muss er seine Dienste in der Regel auf die Adressen des neuen Providers umnummerieren. PI-Adressraum wird gesondert auf seinen Inhaber registriert und kann über mehr als einen Provider angekündigt werden. Je nach Vereinbarungen mit den Betreibern braucht eine Organisation für dieses Modell eine eigene ASN und eine BGP-Konfiguration. PI bietet Unabhängigkeit bei der Adressierung, nicht Unabhängigkeit von Internetanbindungen oder solider Netzwerkverwaltung.
Aktuelle Verfügbarkeit in der Region des RIPE NCC
Das RIPE NCC vergibt keine neuen IPv4-PI-Zuweisungen, weil der dafür verfügbare IPv4-Pool erschöpft ist. Bestehende Zuweisungen können gemäß den Regeln weiterbestehen; für Übertragungen und andere Fälle gibt es eigene Verfahren. IPv6-PI bleibt erhältlich, wenn der Antragsteller die geltenden Bedingungen erfüllt. Die Erklärung des RIPE NCC zu PA und PI beschreibt den aktuellen Unterschied und die Verfügbarkeit. Verwechseln Sie eine neue IPv4-PI-Zuweisung nicht mit einer IPv4-Zuteilung über eine Warteliste oder der Übertragung bestehender Ressourcen.
Ein Beispiel mit zwei Providern
Ein Unternehmen kündigt ein PI-Präfix mit einer vereinbarten ASN über zwei Provider an. Fällt eine Verbindung aus, kann der Datenverkehr über die andere weiterlaufen, sofern die Routen korrekt angekündigt und akzeptiert werden. BGP verspricht kein sofortiges Failover, und verschiedene Teile des Internets können vorübergehend unterschiedliche Pfade sehen. Das Unternehmen braucht Vereinbarungen über Ankündigungen, eine korrekte Routenregistrierung, Filter und einen kontrollierten Ausfalltest. Manche Betreiber filtern Präfixe heraus, die nicht ihrer Routing-Richtlinie entsprechen; ein sehr kleiner Block ist nicht garantiert überall erreichbar.
Wann sich PI lohnt
PI kann die Zahl der Adressen verringern, die bei einem Providerwechsel geändert werden müssen, verursacht aber zusätzliche Arbeit: Routenverwaltung, Monitoring, Registry-Einträge und Abstimmung mit Betreibern. Für ein kleines Netzwerk kann es einfacher sein, die PA-Adressen des neuen Providers zu nutzen und Änderungen an DNS und Diensten vorab zu planen. PI wird auf einen Ressourceninhaber registriert, nicht als „persönliche IP“ auf einen Mitarbeiter. Es ersetzt weder Firewalls noch Serversicherheit oder Kapazitätsplanung. Prüfen Sie vor dem Erwerb bestehenden IPv4-Adressraums dessen Registrierungshistorie und das Übertragungsverfahren der Registry.
PI-Präfixe hängen weiterhin von der BGP-Richtlinie ab
Providerunabhängigkeit entsteht nicht allein durch einen Registry-Eintrag: Das Präfix muss angekündigt und von benachbarten Netzen akzeptiert werden. AS_PATH und die Richtlinien der Betreiber beeinflussen die Erreichbarkeit. Siehe den Leitfaden zu BGP und ASNs.