IPv6-Privacy-Adressen: Warum sie sich ändern
Eine temporäre IPv6-Adresse ist eine zusätzliche Geräteadresse für ausgehende Verbindungen. Sie wechselt mit der Zeit, damit sich Besuche nicht so leicht über eine feste Gerätekennung miteinander verknüpfen lassen. Anonym wird man dadurch nicht, und das Präfix, das dem eigenen Netz zugewiesen ist, ändert sich dabei nicht zwangsläufig.
Wie entsteht eine temporäre Adresse?
Ein Router kündigt ein Netzwerkpräfix an, und das Gerät bildet darin eine Adresse. RFC 8981 beschreibt temporäre Schnittstellenkennungen und die Lebensdauer von Adressen. Eine Schnittstelle kann gleichzeitig eine stabile Adresse, eine temporäre Adresse, eine link-lokale Adresse aus fe80::/10 und weitere Adressen haben. Das ist so vorgesehen und kein Zeichen für einen Einbruch oder eine gestörte Verbindung.
Startet eine Anwendung eine ausgehende Verbindung, wählt das Betriebssystem nach seinen Regeln eine passende Quelladresse. Ein Browser kann eine temporäre Adresse nutzen, während ein Dienst auf demselben Gerät eine stabile Adresse verwendet. Die Rotation der Schnittstellenkennung ist etwas anderes als ein vom Provider geändertes delegiertes Netzwerkpräfix. Vergleichen Sie beide Teile, bevor Sie die Änderung bewerten.
Welchen Datenschutzvorteil bringt die Rotation?
Wird die Kennung ausgetauscht, verkürzt sich der Zeitraum, in dem eine einzelne IPv6-Adresse die Aktivitäten eines Geräts mühelos verknüpfen kann. Eine Website kann Besuche dennoch über Cookies, Anmeldungen, Browsermerkmale oder das Netzwerkpräfix zusammenführen. Der Provider sieht die Verbindung seines Kunden in der Regel weiterhin. Temporäre Adressen ersetzen weder Datenschutzeinstellungen im Browser noch Transportverschlüsselung oder sinnvolle Zugriffsregeln.
Schließen Sie nicht allein aus einem Adresswechsel auf eine bestimmte Person. Mehrere Menschen können sich ein Gerät teilen, und eine Person kann mehrere Geräte nutzen. Firmennetze können zudem andere Adressrichtlinien vorgeben als ein Heimnetz. Ob temporäre Adressen für einen bestimmten Einsatz passen, entscheiden Sie anhand von Zuverlässigkeit des Dienstes und Protokollierungsanforderungen – nicht als Versprechen vollständiger Anonymität. Welche Signale nach außen sichtbar sind, zeigt die Anonymitätsprüfung von 2IP.
Wie untersuchen Sie eine wechselnde Adresse?
Sehen Sie sich im Betriebssystem die Schnittstellenadressen und ihre Lebensdauer an. Vergleichen Sie die von der IP-Abfrage von 2IP gemeldete IPv6-Adresse mit einem veröffentlichten AAAA-Eintrag. Zeigt ein eingehender Dienst oder ein DNS-Eintrag auf eine temporäre Adresse, kann er ausfallen, sobald diese Adresse abläuft. Verwenden Sie für den Server eine geeignete stabile Adresse und halten Sie eingehende Firewallregeln eng.
Ändert sich auch das Netzwerkpräfix, stimmen Sie DNS-Aktualisierungen mit den Einstellungen von Router und Provider ab. Testen Sie IPv4 und IPv6 getrennt, denn der Client kann je Anfrage eine andere Adressfamilie verwenden. Notieren Sie Uhrzeit, vollständige Adresse und genaue Fehlermeldung, halten Sie Zugangsdaten aber aus öffentlichen Fehlerprotokollen heraus. Ein erfolgreicher ausgehender Test allein beweist nicht, dass eingehende Zugriffe funktionieren.